Home Wer wir sind Navajeevan Straßenkinder Erfahrung Auch Sie.. Rundbrief Anmelden Kontakt

 

M  E  I  N  E    E  r  f  a  h  r  u  n  g   m  i  t   S  t  r  a  s  s  e  n  k  i  n  d  e  r  

 

Von September 1999 bis Juli 2000 ging ich über die “Commissie Samen” nach Indien, ein Schritt ins Unbekannte. Ich dachte, es wäre fantastisch, für ein halbes Jahr lang in einem Projekt mitzuleben und so die Möglichkeit zu haben, eine andere Kultur, Natur und ein anderes Leben kennenzulernen. Ich habe nie gedacht, daß ich anderen Menschen helfen könnte, aber mit ihnen zu leben wurde für mich eine unvergessliche Erfahrung, für mich wie auch für die Leute dort.

Die ersten drei Woche nach meiner Ankunft habe ich mich einfach nur umgesehen und mich mit den verschiedenen Einrichtungen des Projekts vertraut gemacht. Auf diese Weise konnte ich mich an das Essen und die Leute gewöhnen; und genauso konnten die Jungen und Mitarbeiter mich kennenlernen. Überall, wo ich hinkam, die meisten Leute wussten, daß ich einfach Mark von Holland bin, war es Zeit für den nächsten Schritt im Integrationsprozess.

Es wurde jemand für die Re-Orientations Gruppe gebraucht. In dieser Gruppe leben für einen Zeitraum von 6 Wochen etwa 20 Jungen , die schon seit langer Zeit auf der Straße gelebt haben, zusammen. Weil diese Jungen so lange auf der Straße gelebt haben, liegen sie in der Entwicklung weit hinter ihren Altersgenoßen, die die Schule besuchen, zurück. Außerdem haben sie das Gefühl für einen regelmässigen Tagesablauf völlig verloren. So wurde es zusammen mit Anand, meinem indischen Kollegen, Freund und ehemaligen Straßenjungen, zu meiner Aufgabe, diese Jungen zu unterrichten und ihnen einen Einblick in das Leben zu geben, das sie führen würden, wenn sie sich entscheiden, wieder in die Gesellschaft zurückzukehren. Kurz gesagt, nach den 6 Wochen konnten sie das ABC und hatten die Fähigkeit erlernt, zu einem ausgemachten Termin pünktlich zu sein.

Wir haben zusammen gespielt, gemalt, mit Lego gebaut, eine Menge geschrien und geweint, aber vor allem viel gelacht. Meine Zweifel an meiner Fähigkeit zu unterrichten, schwanden schnell durch die Begeisterung der Jungen, etwas zu lernen. Sie sind begierig, wollen alles von dir wissen und haben eine kaum zügelbare Energie. Und wenn es mal passiert ist, das ich nicht wusste, was wir tun können, hatten sie immer eine tolle Idee für ein gutes Spiel bereit. Oder, wenn wir an manchen Nachmittagen gar nichts tun wollten, war das auch kein Problem. Diese Jungen, ohne Eltern (oder ohne akzeptable Eltern), die oft nicht die geringste Idee haben, von woher sie eigentlich kommen, sind zu meinen kleinen Brüdern geworden, jeder Einzelne. So war mein Spitzname schnell gefunden: Mark-Bruder… Diese Gesichter haben sich immer noch in meinem Kopf tief eingeprägt und ich fand es sehr schwierig, sie wieder zu verlassen. Die Fröhlichkeit, die sie jeden Morgen, wenn sie mich sahen, zeigten, war berührend.

Natürlich gab es auch schwierige Momente. Manchmal waren sie sehr gereizt und ärgerten mich. Aber das waren die Momente, an denen ich mir bewusst wurde, daß es einfach Jungen sind, so wie ich… Und das macht es so wunderbar, wenn ich daran denke. Ich habe einige wunderbare kleine Menschen kennengelernt, jeder mit einer anderen Geschichte, hart - aber manchmal auch mehr und mehr hoffnungsvoll. Wir waren alle zusammen, hatten etwas Gemeinsames.

So oft denke ich an sie. Und dann merke ich, wie sehr sie mich bereichert haben mit ihren Enthusiasmus zu leben, das Unbekannte kennenzulernen, das Beste daraus zu machen, aber vor allem viel zu lachen, abende und Nächte lang…

Mark Bos