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S  t  r  a  s  s  e  n  k  i  n  d  e  r 

Straßenkinder sind überall in Indien zu finden und die Problematik wächst zunehmend. Nach Außage von UNDP (United Nations Development Program - Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen) hat Indien die höchste Anzahl an Straßenkindern weltweit. Mindestens 18 Millionen Kinder leben und/oder arbeiten auf der Straße. Und selbst diese Schätzung ist wahrscheinlich noch weit von der Realität entfernt…

Wo auch immer man ist in Indien, überall findet man Straßenkinder…: sie reinigen den Boden in den Zügen, reparieren und putzen Schuhe, sie helfen in Fahrrad- oder Autowerkstätten, sie arbeiten in Teeverkaufsständen oder sie sammeln Müll auf für ihren Lebensunterhalt; sie betteln und stehlen, um zu überleben. Die meisten Straßenkinder sind Jungen. Weil das Leben auf der Straße sehr hart und fordernd ist, wagen viele Mädchen nicht, von zu Hause wegzulaufen. Laufen sie einmal weg, machen sie schnell Erfahrung mit sexuellen Missbrauch und sind der Prostitution ausgesetzt. Auch Straßenjungen werden von den meisten Menschen vernachlässigt oder missbraucht. Arbeitgeber versuchen, den Kindern so viel unangenehme Arbeit wie möglich zu geben für einen möglichst geringen Lohn, wobei die Arbeitsumstände oft furchtbar sind und die Kinder häufig geschlagen werden. Diese Kinder haben meist niemanden, der sie in Schutz nimmt. Auch die Polizei sieht die Kinder oft nur als “Plage”, schlägt sie oder bringt sie hinter Gitter, ohne einen rechtsgültigen Grund dafür zu haben.

Die häufigsten Gründe für Kinder auf der Straße zu leben, liegen in den ärmlichen Umständen, in denen viele Menschen leben müssen: Ein großer Teil der indischen Bevölkerung sind Analphabeten, die Arbeitslosigkeit ist hoch und die wenige Arbeit, die die armen Leute finden können, ist meistens hart, langweilig und sehr schlecht bezahlt. Außerdem gibt es nur schlechte oder gar keine sozialen Wohlfahrtseinrichtungen, die ihnen das Leiden ein bisschen erleichtern könnten. Der hohe Urbanisierungsgrad und der enorme Bevölkerungszuwachs führen zu noch größerer Armut und dem Anwachsen von Slumgebieten, in denen große Familien in winzigen “Ein-Raum”-Hütten leben. In Slums ist die Hygiene mangelhaft, es gibt weder sauberes Trinkwasser noch Elektrizität und die Kinder sind den schlechten Angewohnheiten der verzweifelten Eltern, wie Alkoholmissbrauch oder körperlicher Gewalt, ausgesetzt.

Die meisten Straßenkinder haben noch Kontakt zu ihren Eltern, gehen am Abend nach Hause und arbeiten für das Familieneinkommen. Kinder, die richtig von zu Hause weggelaufen sind und den Kontakt zur Familie gänzlich abgebrochen haben (wie die Kinder, die in Navajeevan unterkommen), tun das, weil sie körperlich missbraucht wurden, weil sich niemand um sie gekümmert hat und/oder weil sie ihre Eltern verloren haben. Einmal auf der Straße, suchen sie die Gemeinschaft mit den anderen Straßenkindern und versuchen, so gut wie möglich zu überleben.

Vielen Umfragen belegen, daß Straßenkinder das Leben auf der Straße besser finden als die schwierigen Umstände zu Hause. Sie genießen ihre Freiheit, haben mehr Möglichkeiten zum Spielen und oft auch mehr zu essen und weniger Stress. Trotzdem - das Leben auf der Straße bringt auch negative Einflüsse mit sich, wie z.B. auf die Gesundheit. Oft leiden Straßenkinder unter gesundheitlichen Problemen wie Typhus, Ruhr, Hautkrankheiten, Schnitten oder Wunden, die sie sich bei Kämpfen oder während der Arbeit zugezogen haben. Viele Kinder leiden an allgemeiner Unterernährung und speziell am Fehlen angemessener Kost (Proteine, Vitamine, Eisen und andere wichtige Nahrungsbestandteile) mit allen Folgen, die dadurch hervorgerufen werden.

Neben dem eben beschriebenen gesundheitlichen Problemen leiden viele Kinder an den Folgen ihres Lebensstils – z.B. an Problemen, die durch die Verwicklung in die Prostitution entstehen: als Prostituierter (auch Jungen prostituieren sich) oder als Konsument, wo eine hohe Gefahr von Geschlechtskrankheiten und/oder AIDS besteht. Meist gedrängt von ihren Freunden, beginnen die Kinder den Missbrauch von Drogen, Alkohol und/oder Tabak.

Neben dem schlechten körperlichen Zustand leiden viele Kinder auch unter psychologischen Problemen, die durch emotionale Unzulänglichkeiten entstehen, wie der Mangel an (elterlicher) Liebe, Einsamkeit und Unsicherheit, das Fehlen von Rollenvorbildern und emotionaler Sicherheit. Normalerweise haben die Kinder wenig Selbstachtung und Selbstvertraün, sind misstrauisch und instabil. Dessen zum Trotz zeigen die Kinder einen erstaunlichen Lebenswillen und eine enorme Beharrlichkeit!

In Vijayawada gibt es ca. 25.000 Straßenkinder. Weil Vijayawada’s Bahnhof ein wichtiger Knotenpunkt der Fernverkehrszüge ist, landen hier besonders viele Straßenkinder. Schätzungsweise kommen jeden Tag 10 bis 12 neue Kinder am Bahnhof von Vijayawada an. Das sind ungefähr 350 Kinder jeden Monat! Zum Glück kreuzen sich die Wege vieler Kinder mit dem Straßenpräsenz-Team von Navajeevan. Dieses versucht so schnell wie möglich, Kontakt zu den Familien der Kinder aufzunehmen, so das viele zu ihren Familien zurückkehren können. Ende 2001 konnten 80% der
                                            neuangekommenen Kinder erfolgreich zurück nach Hause geschickt werden.